Ein kleines Kätzchen lag eingerollt auf einer Stufe eines alten Hauses. Sein kleiner Bauch hob sich langsam auf und ab. Es war ein Tag vor Weihnachten und es hatte leicht zu schneien begonnen. Kalt blies der Wind um die Häuserecken. Das kleine Kätzchen schlug die Augen auf und reckte das rosa Näschen in die feuchte Luft, denn es war sehr hungrig. Kälte und Hunger waren ihm seit einiger Zeit nicht fremd, hatte es doch kein Heim mehr gehabt seit es dieses Frühjahr geboren wurde. Es war toll mit den vielen Geschwisterchen zu spielen, die Mama war immer da, es war warm und es gab genug Milch zu trinken. Es leckte sich sein kleines Maul…Auf einmal waren alle Geschwister weg und die Mama hatte sich nicht mehr um es gekümmert. Die Geborgenheit der Familie fehlte sehr, und so lief es weg, immer weiter fort, bis zu einem Platz, an dem viele Häuser und Menschen waren. Laut war es dort, und auch gefährlich – oft musste es einen schnellen Satz machen, um einem rollenden großen Ding auszuweichen.
Es gab zwar genug Reste von Futter in großen Behältern, aber gemütlich war das nicht.
Zudem gab es andere Katzen, die Anspruch auf die Futterbehälter erhoben. Ständig gab es Raufereien, und nicht selten holte es sich nicht nur eine blutige Nase. Das Leben war schwierig. Nur in seinen Träumen empfand es noch Behaglichkeit und Freude.
Traurig und mit knurrendem Magen schlich das Kätzchen die graue Hausmauer entlang. Die nassen, weißen Flocken tanzten wild umher und legten sich auf sein Fell. Ein weißer nasser Ball flog ihm entgegen und traf es. Das Kätzchen duckte sich ängstlich und hörte lachende Kinderstimmen sich entfernen.
Immer noch verschreckt duckte es sich die Häuserwände entlang. Überall brannten schon Lichter und Dunkelheit und noch mehr Kälte breitete sich langsam über die Stadt. Einen warmen Platz zu finden fiel in den letzten Tagen immer schwerer. Und genug zu Fressen hatte es auch schon seit Tagen nicht mehr. Die vielen dunklen Gassen der nassen Straßen machten ihm wieder Angst. Mutlos setzte es sich in einen Schatten und schnaufte durch, während Menschen hastig hin und her eilten.
So blieb es mutlos sitzen bis es still wurde. Kaum ein Licht brannte mehr und ihm war entsetzlich kalt Hastig lief es los, um doch noch eine warme Ecke zu finden.
In einer nahen Querstraße sah es ein helles Licht strahlen. Das machte es neugierig. Vorsichtig setzte es eine Pfote vor die andere und schlich in die Nähe des gleißenden Lichts. Es musste mit den Augen zwinkern. Sein Herz klopfte wild, eine leichte Furcht kam wieder auf, doch die Neugier war stärker. Vorsichtig schaute es um die Ecke und sah einen dicken Mann mit weißem Bart und rotem Mantel, und neben ihm stand eine Kutsche, vor der große Tiere eingespannt waren.
Der Mann schüttelte ständig den Kopf und fasste sich an die Stirn. Um ihn herum lagen bunte Päckchen mit Schleifen, einige Puppen, eine rote Stoffkatze, Nüsse und Süßigkeiten. So etwas hatte das kleine Kätzchen noch nie gesehen.
„Oh je! Ihr wart zu schnell, die Kurve habt ihr ja genommen als sei heut schon Silvester. Jetzt muss ich alles schnell wieder in den Sack packen und dann müssen wir sehen, wie wir das noch schaffen.“
Betreten standen die braunen Tiere da und steckten die Köpfe zusammen.
Das Kätzchen konnte sich an den ganzen Spielsachen, die da lagen, nicht satt sehen. Wie schön wäre es, mal wieder ungezwungen zu spielen und etwas richtig zu zerfetzen, so wie es mit ihren Geschwistern war. Das Licht strahlte eine wohlige Wärme aus und das Kätzchen hätte sich gerne in mitten der Spielsachen gesetzt
Also schlich es sich heran, machte einen Satz und kroch ganz leise unter einen großen Teddybären. Er war wundervoll weich und schnell war es dem Kätzchen warm und es fühlte sich behaglich. Mit weit geöffneten Augen beobachtete es den großen Mann, wie er die Spielsachen und Päckchen nacheinander in einen großen Sack steckte. Dabei sang er eine Melodie, die dem Kätzchen sehr gefiel. Er sang etwas von „Weihnachten“. Von so etwas hatte es noch nie gehört und es überlegte, was das wohl sei? Vielleicht etwas leckeres zu Fressen?
Es entspannte sich und beschloss, noch ein wenig die Wärme zu genießen. Die Pfoten steckte es unter seinen Körper und es schloss die Augen. Müdigkeit breitete sich aus. Was kann es schon schaden, ein wenig zu dösen? Und bevor der Mann mich bemerkt bin ich auch schon weg! Plötzlich wurde es von einer großen Hand hochgehoben und in den Sack gesteckt. Voller Angst machte das Kätzchen einen Purzelbaum und versank immer tiefer im Sack. Die Krallen tief in den Teddybären gebohrt verharrte es voller Entsetzen in der Dunkelheit. Immer mehr Gegenstände fielen auf seinem Kopf, die mit der großen Hand in den Sack gestopft wurden. Am Ende wurde der Sack mit einer Kordel fest verschnürt. Dann spürte es, wie er auf einen harten Boden abgesetzt wurde. Nach kurzer Zeit gab es plötzlich einen Ruck, dann hörte es kleine Schellen läuten und spürte ein komisches Gefühl im Magen.
„Wie komme ich hier wieder heraus?“
Die Krallen fest in den Teddy geschlagen starrte es angstvoll in die Dunkelheit und sein kleines Katzenherz schlug ihm bis zum Halse. Es spitzte die Ohren, doch alles was es hören könnte waren die Schellen und der Wind, der kräftig zu blasen schien.
Dann verstummten die Schellen, der Sack wurde hochgehoben und das Kätzchen mit dem Sack geschüttelt. Es wurde wärmer und nun konnte es auch wieder Stimmen hören. Kätzchen spitzte die Ohren und hörte was da draußen los war.
Kinderstimmen riefen aufgeregt durcheinander: „Du bist der Nikolaus.“
„Das ist richtig, und weil ihr brav gewesen seid, habe ich euch auch etwas mitgebracht.“
Der Nikolaus öffnete den Sack und griff mit seiner großen Hand hinein. Er fischte eine blonde Puppe heraus. Das Kätzchen wurde erneut sehr ängstlich und duckte sich unter den Teddybären.
„Die ist für dich, weil du ganz besonders fleißig in der Schule warst.“ sagte der Nikolaus.
„Vielen Dank, lieber Nikolaus“ bedankte sich eine artige Stimme.
„Und was bekomme ich“ rief eine helle Stimme ungeduldig dazwischen.
„Für dich habe ich ganz was Schönes dabei“ lachte der Nikolaus
Wieder fuhr die große Hand in den Sack. Sie packte nach dem braunen, dicken Teddybären, an welchem das Kätzchen sich so angstvoll klammerte. Nein, schrie es innerlich, krallte sich noch fester an das Fell des Bären. Es gab einen Ruck – Kätzchen war aus dem Sack und landete in zwei kleinen Kinderarmen.
Alle schauten mit großen Augen auf das kleine Kätzchen, welches sich am liebsten in den Teddybären hinein verkrochen hätte.
„Eine Katze“ rief ein kleiner Junge freudig, „und ein Teddy!“
Der Nikolaus, die Eltern und das kleine Mädchen schauten verdutzt auf den kleinen Jungen. „Da stimmt aber was nicht“ murmelte der Nikolaus, „das stand nicht auf der Wunschliste“.
„Ist die süß“, sagte das kleine Mädchen und streichelte liebevoll das Fell des Kätzchens.
„Schau mal, sie hat ja Angst“. Die Mutter nahm Kätzchen, das völlig verängstigt und ein wenig zitternd an dem Teddy hing, vorsichtig in den Arm und kraulte ihm das Köpfchen.
Nie hatte Kätzchen so liebevolle Streicheleinheiten bekommen. Es begann sich zu entspannen und schnurrte ganz leise.
Die ganze Familie stand um den kleinen Gast und beobachtete das kleine Kätzchen.
Der Nikolaus legte seine große Hand auf sein Köpfchen.
„Hier wird es dir bestimmt gut gehen kleines Kätzchen.“ schmunzelte der Nikolaus
Alle wollten Kätzchen streicheln. Die erste Schüssel warmer Milch schmeckte wundervoll und die Erinnerungen an Mama und den Geschwistern stiegen wieder in ihm hoch.
Als sich Nikolaus verabschiedete und weiterfuhr, stand Kätzchen glücklich am Fenster und schaute zu wie sich die große Kutsche mit den braunen Tieren in die Luft hob und langsam verschwand.
Es hatte wieder leicht zu schneien angefangen und das Kätzchen sprang vom Fenstersims ins heimelige warme Zimmer mit dem großen geschmückten Baum und den Geschenken und der Familie, die so lieb zu ihm war. Wenn das Weihnachten ist – dachte es sich – dann ist es das schönste, was ich je erlebt habe.





It seems to be raining

