Feeds:
Artikel
Kommentare

Neulich am Drive-in

Autofahren macht Spaß. Essen auch. Am meisten Spaß macht Essen im Auto, deswegen habe ich auch diese erhöhte Affinität zu Drive-In Schaltern…

McDooof

Speziell in meinem Lieblings Fast-Food Restaurant. Das Vergnügen an dieser Self-Service Station des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert.

Gegensprechanlage… Diesen Namen hat das Ding nur bekommen, weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist…

„Hiere Bechellung hippe.“ knarzt es mir aus dem Lautsprecher entgegen.
Klingt für mich nach Schellackplatte…

Aus Erfahrung aber weiß ich, dass sich die Stimme  (männlich… weiblich… nicht wirklich zu unterscheiden, ich tippe aber auf Letzteres) am anderen Ende dieses Dosentelefons soeben nach meiner Bestellung erkundigt hat.

Jetzt einfach zu bestellen ist  mir zu langweilig, also frag ich:

„Haben sie etwas vom Huhn?“

Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer verständliches Wort, das aber eindeutig mit: „…icken“ endet. Ich antworte:

„Später vielleicht, zuerst möchte ich was essen.“

Etwas lauter tönt es zurück: „SCHICKEN?“

Ich kann es mir nicht verkneifen: „Nein ich würde es gleich selbst
abholen. Ich bin ja quasi schon da!“

Eine kurze Pause entsteht, ich stelle mir das langsam rot werdende Gesicht der jungen McDoof-Magd vor. Als die Sprechpause zu lang werden droht, sage ich: „Ach sie meinen CHICKEN? Nee, lieber doch nicht. Haben sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke im Röstbrötchen?“

„Hamburger?“ fragt mein unsichtbares Gegenüber zurück.

Wahrheitsgemäß antworte ich: „Nein ich bin von hier. Aber hat das denn Einfluss auf meine Bestellung?“

„Wol-len sie ei-nen Ham-bur-ger?“ dringt die Stimme nun deutlich geprresster.

„Jetzt beruhigen sie sich, ja ich nehme einen. Aber bitte ohne die Plastikscheiben, die Sie als Gurken bezeichnen.“

„Schieß?“

„Wenn Sie so direkt fragen… Stimmt, hatte ich nach meiner letzten Mahlzeit hier, mittlerweile ist meine Darmflora aber wieder wohlauf, ich denke ich kann es erneut riskieren.“

Die Stimminhaberin beginnt mir zwar ein wenig leid zu tun – sie kann ja nichts für ihren Job – aber jetzt hab ich ja schon mal angefangen.

„Ob sie KÄ-SE auf den Hamburger möchten?“

„Ah ja gern, ich nehme einen mittelalten Weißlacker, nicht zu dick
geschnitten bitte, und von einer Seite leicht angeschmolzen.“

Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher: „Sicher doch.“, oder „Arschloch“ lautet, kann ich nicht
genau heraushören… Deutlicher erklingt nun:

„Was dazu?“

„Doch ja, ich hätte gern diese gesalzenen, frittierten Kartoffelstäbchen.“

„Also Pommes?“

„Von mir aus auch die…“

„Klein, Mittel, Groß?“

„Gemischt, und zwar jeweils zu einem drittel große, mittlere und kleine.“

„Soll DAS eine VERARSCHE werden???“

Diese wiederum sehr laut formulierte Frage verstehe ich klar und deutlich – das Dosentelefon scheint doch in Ordnung zu sein- sie verlangt eine ehrliche Antwort:

„Falls das die Bedingung ist, hier etwas zu Essen zu bekommen: JA. Also? Machen wir weiter?“

Die Stimme schnauft kurz und fragt: „Gut, gut. Pommes, etwas zu den Pommes?“

„Ein schönes Entrecôte, blutig und ein Glas 1996er Spätburgunder bitte.“ Ich mag zwar keinen Wein, finde aber, das passt gerade ganz gut.

„ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!“

„Machen sie das, aber verschütten sie dabei bitte nicht den Wein.“, kontere ich.

„Schluß jetzt, Schalter 2 -  4 Euro 15.“

Schon vorbei? Gerade als es anfing lustig zu werden. Aber ich habe noch ein Ass im Ärmel. Ich zahle mit einem 100 Euroschein.

„Tut mir leid, aber ich hab`s nicht passender.“

Freundlich werde ich ausgekontert: „Kein Problem.“ Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr mein Wechselgeld auf den Stahltresen klappern. Aber ich will den Schlußtriumph. Also, Zeit fürs Finale.

„Kann ich bitte ´ne Quittung bekommen?“ frage ich überfreundlich. „Ist ein Geschäftsessen!“

Nun hab ich da erst mal Hausverbot!! Aber was soll´s? Gibt ja noch sooo viele Andere – hoffentlich tauschen die Untereinander nicht die Autokennzeichen aus…?!

Am Tag der Oscar-Verleihung gab es glücklicherweise eine Vorpremiere zum Film „Der Vorleser“ mit Kate Winslet, deren schauspielerische Leistung mir im Film „Zeiten des Aufbruchs“ schon nahezu Oscar-reif vorkam.
Für ihre Rolle in „Der Vorleser“ war sie nominiert, und so musste ich unbedingt in diesen Film.
Zudem bin ich um das Wissen bereichert worden, dass es nicht nur in Frankfurt sondern auch in Düsseldorf einen CineStar gibt.

Hanna (Kate Winslet) und Michael (David Kross)

Hanna (Kate Winslet) und Michael (David Kross)

In der deutschen Nachkriegszeit Ende der 1950er verliebt sich der 15jährige Michael Berg (David Kross) in die gut 20 Jahre ältere Straßenbahnschaffnerin Hanna Schmitz (Kate Winslet), nachdem diese sich um ihn kümmerte, als ihm auf dem Weg nach Hause schlecht wurde. Die Beiden beginnen eine leidenschaftliche Affäre miteinander, die Michael seine erste Liebe und seinen ersten Sex beschert. Hanna liebt es, wenn Michael ihr vorliest, und so verschiebt sich der Schwerpunkt ihrer Beziehung immer mehr.
Eine Beförderung mit Büroarbeit führt jedoch dazu, dass Hanna unverhofft die Stadt verlässt; Michael verliert sie aus den Augen.
Überraschend sieht er Hanna 8 Jahre später wieder – er ist Jurastudent, sie Angeklagte eines Auschwitz-Prozesses. Hin- und hergerissen von seinen Gefühlen verfolgt er den Verlauf des Prozesses und muss sich entscheiden, ob er zu ihrer Entlastung beiträgt oder Gerechtigkeit walten lassen will… denn seine Gefühle bestehen weiterhin.

Die Fragen des Buches sind nach all den Jahren immer noch spannend, aktuell und von Bedeutung: sie drehen sich um Schuld, Sühne und um Gerechtigkeit. Und um das, was mit Menschen passiert, die ihre Liebe plötzlich mit ganz anderen Augen sehen müssen. Gibt es die wahre, alle Hindernisse überwindende Liebe? In „Der Vorleser“ ist diese Liebe zumindest so intensiv, dass sie das Leben zweier Menschen für alle Zeit miteinander verbindet.
Sehr beeindruckend fand ich Kate Winslet als Hanna Schmitz, wie sie die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen zwischen Leidenschaft, Wut, Entsetzen, Zurückweisung und Trauer beherrscht und vorführt. Der Oscar ist hierfür mehr als gerechtfertigt.
Die Zerrissenheit des jungen, leidenschaftlichen und des erwachsenen Michael Berg werden emotional ergreifend greifbar :) gemacht. Während Daniel Kross, zwar noch mit kleinen darstellerischen Schwächen (die moralische Zerrissenheit aufgrund seiner Gefühle gegenüber Hanna und ihrer Schuld hätten zwischen dem 15- und 23-jährigen Michael deutlicher argestellt werden müssen), für mich überraschend souverän in seinem Hollywood-Debut agiert, blieb Ralph Fiennes als älterer Michael Berg sehr farblos und wenig ausdrucksstark.
Ärgerlich empfand ich die vielen Ungereimtheiten bezüglich der Sprache (in einer Provinzgaststätte des Nachkriegsdeutschland gibt es englische Speisenkarten?). Störend sind die vielen zeitlichen Sprünge innerhalb der Geschichte, die den Zuschauer immer wieder aus der derzeitigen Situation und Problematik der Beziehung reissen. Zudem werden viele der interessanten Fragen erst gegen Ende des Filmes wirklich thematisiert und verblassen dort.
Für mich ist dieser Film trotz der kleinen Schwächen und Mängel in jedem Fall ein wunderbarer Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte!

Depeche Mode „Wrong“

Ursprünglich war geplant, dass Depeche Mode am Samstag, den 21.02.09 auf der Echo-Verleihung als Weltpremiere ihren neuen Song „Wrong“ aus dem kommenden Album „Sounds of the universe“ vorstellen. Leider spielte der bekannte amerikanische Radiosender KROQ den Track bereits einen Tag zu früh.

Nun scheint es eine weitere Panne bei der Vorstellung des Videos gegeben zu haben. Auf der Newsportalseite 20minuten tauchte gestern das offizielle Video auf, wurde nach einiger Zeit scheinbar vom Server genommen und ist nun wieder online.
Während das Audio noch eine düstere, jedoch subtil warme Atmosphäre erzeugt, geht die Band beim Video eher neue und ungeahnt drastische Wege. Für mich ist Beides eine sehr stimmige Umsetzung des Textes!
Für den Text klicke hier.

Auf youtube kann sich der geneigte neugierige Musikliebhaber das neue Werk der Kultband anschauen und -hören:

Da EMI in den letzten Tagen sehr aktiv gegen diese sneak previews vorgeht könnte es allerdings sein, dass auch dieser Link bald wieder vom Netz geht. Ich versuche ihn so aktuell wie möglich zu halten :P

Mirror – Nostalgia

Sehr schöne Ballade von Mirror, einem Projekt des ehemaligen Slow-Sängers Tom Anselmi, sowie des Keyboarders Vincent Jones. „Mirror“ wurde von Anselmi ins Leben gerufen und wurde von Jones, der schon an Gahans “Live Monsters”-DVD mitgearbeitet hat, produziert, aufgenommen und gemixt.
Die Vocals übernimmt bei ´Nostalgia´ Dave Gahan, der Sänger von ´Depeche Mode´. Der langjährige Bowie-Pianist Mike Garson wirkt ebenfalls an diesem Song mit. Jones beschreibt den Song als „elektronisch, orchestral, alt und neu, vor allem aber ist er sehr kraftvoll.“

Hier geht es zur Internetseite des Projekts.
Dort könnt ihr das komplette Album in hoher Qualität anhören.
Das Video zum Song gibt es natürlich auch hier:

Und falls sich jemand für den Songtext interessieren sollte…

As a thirst becomes a sickness
And desire is all you feel
A photograph that made us laugh
Now your skin has such a thickness
That you can’t tell what is real
Anymore
It’s a feeling like nostalgia
Keeps me turning back to you
And a feeling like nostalgia
For the dreams that we once knew
If you’re feeling like
What we were feeling is through
Why do I feel nostalgia?
Why do I feel nostalgia?
Like you
We were running to the future
When we fell into the past
A memory
When our lives seemed full of promise
Oh, but good things never last
It seems to me
It’s a feeling like nostalgia
Keeps me turning back to you
And a feeling like nostalgia
For the dreams that we once knew
If you’re feeling like
What we were feeling is through
Why do I feel nostalgia?
Why do I feel nostalgia?
Like you
If you’re feeling like
What we were feeling is through
Why do I feel nostalgia?
Why do I feel nostalgia?
Like you

The watercolour painting

WatercolourIt seems to be raining
on our watercolour painting.
The love we have today
will never turn into grey.
I love you more than I know
or ever could show
for now and always.
(forever and this moment
forever and today)

I´m tempted in your presence
And I want to hold you near.
The part of you complement
is the only thing I fear
More than I know
Or ever will show…

It seems to have stopped raining
on our watercolour painting.
I glance at what remains
at feelings lying just in chains
More than we know
or ever would show…
for now and always.
(forever and this moment
forever and today)

Your absence and your silence
seem to me like holding shields.
Forced by untamed violence,
brittle love on killing fields.
More than we know…

Dieser Artikel ist passwortgeschützt. Bitte geben Sie Ihr Passwort ein, um ihn lesen zu können:


Dieser Artikel ist passwortgeschützt. Bitte geben Sie Ihr Passwort ein, um ihn lesen zu können:


Das Fenster zur Seele

Schweissgebadet wachte sie mitten in der Nacht auf. Der Alptraum war nicht neu für sie, und doch war es diesesmal anders. Intensiver. Realer. Noch nie hatte sie sich mit solcher Klarheit an die schrecklichen Details erinnert. An das Gefühl der Hilflosigkeit und der Ohnmacht. Auch jetzt, nachdem sie fast panisch die kleine Nachttischlampe eingeschaltet und mit weit aufgerissenen Augen ihr Schlafzimmer abgesucht hatte – und zu ihrer Erleichterung feststellte, dass alles so war wie sie es in Erinnerung hatte – blieb dieses beklemmende Gefühl, das ihre Kehle zuschnürte.
Dieser Traum verfolgte sie bereits seit ihrem zehnten Lebensjahr, und die Erinnerung an ihn verblasste meist sehr schnell nachdem sie aufgewacht war. Dieses Mal hatte sie den Eindruck, dass sich ein Teil ihres Alptraums nicht wieder in die Schatten ihres Wahnsinns zurückgezogen hatte, wo er hingehörte. Vielmehr schien etwas aus diesem Wahnsinn heraus einen Weg in die Wirklichkeit gefunden zu haben, das nun düster dräuend in einer der schattenhaft beleuchteten Winkel des Schlafzimmers auf seine Gelegenheit wartete, um sie unverhofft mit all seiner Bosheit anzufallen und sich in ihrem Verstand festzubeissen.
Sie wollte nicht wieder einschlafen. Sie wollte nicht wieder zur Beute ihres Nachtmahrs werden, und so beschloss sie ins Bad zu gehen, um die Erinnerung und das beunruhigende Gefühl mit einer großen Portion kaltem Wassers wegzuspülen. Mit angehaltenem Atem lauschte sie in die Dunkelheit ihrer Wohnung, bevor sie zögernd aus dem Bett kroch.
Doch da war nichts! Wie sollte es auch? Schliesslich war es nur ein Traum. Wie kindisch, dachte sie, überhaupt in Panik zu geraten.
Gequält lächelnd ging sie über den Flur und weiter in ihr kleines Badezimmer, nicht ohne jeweils vorher das Licht einzuschalten und einen kleinen Augenblick in die Stille hineinzuhorchen.
Sie ging zum Handwaschbecken und drehte den Hahn auf. Kaltes Wasser lief ihr über die Hände und verursachte einen Schauer, aber gleichzeitig tat es auch gut, etwas so profanes zu spüren.Mit beiden Händen schaufelte sie sich das kalte Wasser ins Gesicht und prustete.
Fenster zur SeeleAnschließend warf sie einen Blick in den Spiegel. Sie fand, sie sah schrecklich aus. Ihr Teint war leichenblass, ihre Lippen waren schmal und wirkten leicht bläulich, und tiefe dunkle Ringe lagen unter ihren Augen. Sie schöpfte einen weiteren Schwall kalten Wassers in ihr Gesicht, und zumindest wich ein wenig die Angst von ihr. Jetzt noch ein- zweimal tief durchatmen…
Und da war das Gefühl der Hilflosigkeit wieder – ganz plötzlich und so unverhofft, dass sie erschrak. Ihre linke Braue zuckte heftig und irgendwie brannte die Haut dort. Irritiert fasste sie sich an die Braue und spürte eine warme und klebrige Flüssigkeit. Ungläubig nahm sie die Hand herunter und schaute auf den roten Streifen auf ihrem Finger. Sie betrachtete die Braue durch den Spiegel; sie sah einen schmalen Riß und einen Blutstropfen, den sie mit ihren Fingern über die Schläfe verschmiert hatte. Aber da war noch etwas anderes… irgend etwas stimmte mit ihrem Spiegelbild nicht. Etwas… mit ihren Augen. Das… das waren nicht ihre Augen, die sie kalt und hasserfüllt anstarrten. Ihr wurde schwindelig und die Umgebung herum verschwamm und verblasste, während das Augenpaar ihres Spiegelbildes langsam größer und auf sie zuzugleiten schien. Die Iris verfärbte sich zu einem dunklen, leicht glühenden rot, das sie magisch in den Bann zog.
Sie drehte ihren Kopf zur Seite und wollte sich abwenden während sie gleichzeitig mit der Rechten nach den Augen schlug. Sie traf etwas, kalt und hart. Ein Schmerz explodierte in Ihrer Hand wie von glühenden Messern, doch es half nichts. Sie stürzte in diese brennenden dunklen Augen. Düsternis umfing sie; und sie fiel. Sie konnte nicht sagen wie lange ihr Sturz dauerte…
Bis sie am Boden liegend aufwachte. Nicht in ihrem Bad, sondern in einer großen Halle. Wuchtige Säulen umgaben sie, jedoch konnte sie über sich den tief blauen Himmel erkennen. Die Farben waren anders, die Schatten wirkten tiefer. Alles wirkte wie in einem Traum – ihrem Alptraum!
Und plötzlich tauchte ein kleines Mädchen auf. Sie musste um die zehn Jahre alt sein. Ja, es war ihr Traum. Sie sah sich selbst…
„Du musst hier weg!“, flüsterte das Mädchen. „Sie wird kommen! Sie wird uns weh tun! Sie wird mir weh tun!!!“
In ihrem Traum war sie dieses kleine Mädchen. Sie träumte nicht – oder doch?
Sie stand auf und schaute sich um… und genau in diesem Moment erbebte der Boden. Aus den Fugen der Wände und Säulen rieselte Sand. Der Himmel verdunkelte sich, wurde zunächst blutrot und fing dann schliesslich Feuer!
Der Boden zitterte und bebte stärker, Gestein löste sich von den Säulen und sie fiel zu Boden. Und genau in diesem Moment stürzten die Säulen ein. Staub wirbelte um sie herum und nahm ihr die Sicht. Sie musste husten.
Als der Staub sich gelegt hatte erschrak sie ob der Veränderung dieses Ortes. Sie befand sich in einer grauen Steinwüste mit schroffen Kanten, der Himmel hatte sich verdunkelt und wirkte wie zäher Teer.
Und vor ihr stand sie. Ihr Spiegelbild, stolz, mit harten Gesichtszügen weiss wie der Tod. Ihre Lippen im kräftigen purpur, und Augen, die trotz der lodernden Glut darin kalt wie Glas waren. Vor ihr im Staub lag das kleine Mädchen, reglos, den Kopf weit zu Seite verdreht, mit starrem, gebrochenem Blick. Ein kleiner Blutstrom rann ihr aus dem Mundwinkel, versickerte im Sand und färbte ihn in ein zartes rosa.
„Hier hat endlich alles ein Ende!“, sagte das Spiegelbild, und die Stimme war kalt wie Eis. Es lachte, als es sich mit stampfendem Schritt ihr näherte.
Mit angstgeweiteten Augen sah sie ihr Spiegelbild näher kommen, doch sie konnte nichts tun. „Lass es ein Traum sein,“ dachte sie, doch in dem Moment wurde sie von ihrem Spiegelbild gepackt und zur Seite geschleudert. Der Aufprall auf den felsigen Boden tat nicht nur weh – sie konnte regelrecht spüren, wie ihr Handgelenk brach als sie ihn abzufangen versuchte.
Sie unterdrückte einen Schmerzlaut, wollte aufstehen, doch es war schon über ihr. Sie spürte die unmenschliche Kraft, die sie hochhob, schlug mit der anderen Hand nach dem schneeweissen Gesicht. Und traf; doch ihr Spiegelbild schien den Schlag nicht bemerkt zu haben, umfasste mit einer Hand ihre Kehle und drückte zu. Sie sah grelle, tanzende Kreise und spürte, wie ihr die Luft ausging und fing an zu zappeln. Doch es half nichts, sie spürte wie langsam alle Kraft aus ihr wich. Ihr Spiegelbild änderte ihren Griff und schleuderte sie erneut. Und dieses Mal war der Schmerz ungleich heftiger, als sie auf den Boden aufschlug. Doch er verebbte so abrupt wie er gekommen war. Sie spürte ihre Beine nicht mehr; dafür ging eine Woge heftiger Pein von ihrem Bauch aus. Es brannte wie Feuer.
Und ihr Spiegelbild näherte sich ihr erneut – erbarmungslos – nahm einen scharfen Felsen und rammte ihn ihr in die Brust, genau durch ihr Herz! Ihre Augen weiteten sich vor Schreck und Agonie. Doch auch dieser Schmerz verebbte so schnell wie er kam. Und sie sah den Himmel… seine Farbe änderte sich erneut. Das Schwarz wurde heller und wandelte sich zunächst in ein lila, dann in ein kräftiges orange. Und sie verlor ihr Bewusstsein.
Sie erwachte durch einen stechend pulsierenden Schmerz, der durch ihre Hand fuhr. Kleine Glassplitter steckten in ihrem Handteller und Blut hatte sich vor ihr auf dem Boden gesammelt. Dennoch fühlte sie sich erstaunlich kräftig. Und gar nicht ängstlich. Sie hatte sogar den Eindruck sich besser als je zuvor zu fühlen.
Sie betrachtete sich und den einseitig zertrümmerten Spiegel, während sie kaltes Wasser über ihre verletzte Hand laufen liess. Alles war in Ordnung mit ihr. Nur ihre Haut war blasser; fast schon weisslich. Aber das war ihr egal. Ein Lächeln erschien auf ihren Lippen und setzte sich in bis in ihre Augen fort. Ihre Augen schienen von innen heraus zu glühen. Doch das beunruhigte sie nicht!
Sie würde nie wieder Angst in ihrem Leben empfinden. Dessen war sie sich sicher!

Ein weiteres Wochenende, ein weiterer Film. Diesmal wieder in einem Multiplex!

April und Frank lernen sich kennen

April und Frank lernen sich kennen

April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) leben mit ihren beiden Kindern in einer typisch-spießbürgerlichen Vorstadt im Amerika der 1950er. Frank arbeitet als Angestellter in einer Firma, April ist Mutter und Hausfrau. Von ihren einstigen Träumen und Sehnsüchten – hielten sich die Wheelers doch selbst immer für etwas Besonderes – ist nicht allzu viel übrig geblieben. Beide sind gefangen in dieser kleinbürgerlichen Welt, die sie immer gehasst hatten und mit der sie nie konform gehen wollten. Gelangweilt und unzufrieden beschliessen sie nach Paris zu ziehen und dort ganz neu anzufangen, um der Leere ihres Daseins zu entfliehen und frei von allen Normen und Zwängen zu sein.
Sehr schnell werden die Wheelers jedoch von der Banalität ihrer Realität eingeholt. Im Umfeld treffen sie nur auf Unverständnis; einzig der „geistesgestörte“ John (Michael Shannon) scheint zu erkennen, was sich hinter der Fassade der Kleinbürgerlichkeit abspielt. Als Frank eine Beförderung angeboten bekommt und April erneut schwanger wird, geraten ihre Zukunftspläne ins Wanken. Streit und gegenseitige Schuldzuweisungen sind die Folge, so dass nicht nur die Träume, sondern auch die Liebe der Wheelers zu zerbrechen drohen…

„Zeiten des Aufruhrs“ ist ein wundervoll inszeniertes Drama wie es im Bilderbuch steht. Sehnsüchte und Träumereien, Streits, Eifersucht, zärtliche Liebesszenen; und ein kaltes, wirklich bitteres Ende!
Die beiden Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio und Kate Winslet brillieren in ihren Rollen. Die Sehnsüchte und Ängste ihrer Figuren und das Ringen um Wahrheit werden besonders durch DiCaprios explosive Gefühlsausbrüche und Winslets verzweifelnder Mimik (besonders während des letzten „glücklichen“ Frühstücks) sehr intensiv dargestellt.
Eine wichtige Rolle in diesem Suchen nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit nimmt der „Psychopath“ John ein. Seine nicht sozial tauglichen Ansichten, in denen er das Kleinbürgertum bloßstellt, gehen mit den Wheelers konform, und so wundern sie sich zunächst, was an seinem Verhalten gestört sein soll. Später jedoch hält er auch den Wheelers den Spiegel vor, und zumindest Frank stimmt in diese „Pathologisierung“ mit ein.
So gipfelt das Drama in sein bitteres Ende, in dem sich die Ansichten von April und Frank deutlich voneinander unterscheiden. Auch die Reaktionen des Umfeldes sind bitter bis zynisch und die letzte Einstellung somit bezeichnend: ein Höhrgerät wird abgestellt…

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, seinem Leben zu entfliehen, seine (Jugend)Träume zu verwirklichen und zu tun was man wirklich schon immer wollte, um einfach nur glücklich zu sein? Genau hiervon handelt dieses Drama, und ich gebe zu, ich habe mich mehr als nur einmal ertappt gefühlt, genau diese oder ähnliche Gedanken, wie sie die Wheelers beschäftigt, mir durch den Kopf gehen zu lassen. Leider hinterlässt der Film in diesen Dingen auch ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, da es zwischen der Verwirklichung seiner Träume und der Konformität zur Gesellschaft keinen Mittelweg zu geben scheint.
Für mich ein sehr anspruchsvoller, schön inszenierter Film, mit herausragenden Schauspielern. Absolut empfehlenswert!

verzaubert

Inmitten der Menschen erkannte er sie nicht sofort, als sie auf ihn zuging. Doch sie lächelte ihn an, auf ihre eigene herzliche Art. Zwischen ihnen hätte sie wie verloren wirken müssen, aber das Gegenteil war der Fall. Sie war kaum 160 cm groß und trug ein weinrotes Top mit Trompetenärmeln, das ihre Figur eindrucksvoll betonte. Als sie bei ihm angekommen war funkelte sie ihn aus ihren fröhlich sprühenden Augen an.
Etwas kraftvolles und unglaublich lebendiges ging von ihr aus, das ihn sofort in seinen Bann nahm.
„Hi“, sagte sie freundlich. „Ich bin Maria. Schön, Dich endlich kennen zu lernen“.
Ihre Stimme berührte etwas tief in ihm, was Thobias sichtlich irritierte.
Es war nicht so sehr ihre unbefangene Art, sondern vielmehr die bloße Anwesenheit der Dunkelhaarigen, die ihn zunehmend verlegener machte, und so brachte er nur ein verlegenes „Ich bin Thobias.“ hervor. Seine Augen konnten sich von ihrer nahezu perfekten Figur nicht losreißen. Das Begehren, sie zu umarmen, erschreckte ihn selbst über alle Maßen, doch er war zu perplex und ängstlich, sie an sich zu drücken.
Ihre Brust hob und senkte sich, ihr Atem ging schneller und eine Röte erschien auf ihren Wangen. Sie erwiderte seinen Blick so offen und frei, dass er nicht anders konnte, als sich in ihren dunklen Augen zu verlieren, die ihm wie zwei Bergseen vorkamen, gleichermaßen tief wie rein.

Sie trat einen weiteren Schritt auf ihn zu und stellte sich auf ihre Zehenspitzen, um auch ihm in die Augen zu schauen. Dann umarmte sie ihn und gab ihm einen sanften Kuss auf die Wange.
Danach trat sie einen kleinen Schritt zurück und legte ihren Kopf ein wenig schräg, wobei eine rötlich schimmernde Strähne ihres fast schulterlangen Haares in ihr Gesicht fiel. Ihr Lächeln war so entwaffnend und so verführerisch…
Sie führte ihn in ein Café. Sie unterhielten sich eine geraume Weile. Ohne das sie es merkte beobachtete er sie unentwegt; wie sie stolz ihr Kinn in die Luft streckte, kokett immer wieder den Kopf zur Seite legte und ihn unverholen anlächelte. Ihre Finger wanderten über den Tisch, strichen durch ihr Haar, und immer wieder liess sie ihr herzliches Lachen erklingen. Alles in ihm schrie danach, ihre Finger und ihre Hände in seine zu legen; doch er konnte es nicht.
Und so verstrich die wunderbare Zeit für ihn wie im Flug; es begann zu dämmern. Die Zeit des Abschieds rückte näher. Und so bot er sich an sie nach Hause zu bringen, um noch eine Weile ihre Nähe spüren zu können. Thobias fragte sich, warum er sich nicht einfach ein Herz fassen konnte, als sie unvermittelt ihre Hand in seine legte und ihn mit großen Augen ansah. Er genoß das Gefühl ihrer warmen Hand. Es fühlte sich einfach richtig an!
Und so spazierten sie langsam durch die Strassen, lachend und ihre Hände gegenseitig festhaltend, wie zwei Ertrinkende, die sich aneinander klammerten, bis sie vor ihrem Haus standen.
Sie lehnte sich an eine kleine Mauer, wobei sie sich rechts und links mit ihren Armen abstützte, und beugte sich dabei leicht nach vorne, was ihr Dekolleté noch mehr betonte. Ihr Busen hob und senkte sich und ihr Blick wurde weich, als sie ihn von unten anschaute. Und dann drückte sie sich langsam von der Mauer ab, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und presste sanft ihre vollen Lippen auf seine, während sie die Arme um seinen Nacken schlang.
Thobias spürte eine Art der Erregung, die alle Zurückhaltung in ihm hinwegschwemmte. Seine Hände fanden wie von selbst ihren Weg und glitten über ihren Rücken, während er sie gleichzeitig an sich zog. Sie nahm sein Gesicht in die Hände und ihre Lippen verschmolzen in einem nicht enden wollenden Kuss. Es war eine Selbstverständlichkeit in der Art, wie sie sich küssten und berührten, die all seine Hemmungen mit sich fortriß und es ihm unmöglich machten, sich gegen den plötzlichen Ausbruch der Leidenschaft zu wehren. Seine Hand streichelte ihre Schulter, glitt über ihren Busen hinab und hinunter bis zum Saum und ertastete ihre weiche Haut. Zu schnell… viel zu schnell… Unter seinen Berührungen schien ihr Körper zu beben, und diese Resonanz machte es ihm unmöglich, mit dem aufzuhören, was er begonnen hatte. Ihre Hände streichelten über seinen Kopf und tasteten über seinen Körper, und in einer innigen Umarmung schienen beide miteinander zu verschmelzen. Thobias hatte mittlerweile längst vergessen wo er sich befand, hatte vergessen, dass jederzeit jemand vorbeikommen konnte. Und es war ihm eigentlich auch egal. Die Welt geriet vollkommen in Vergessenheit. Was war schon die Welt, im Gegensatz zu dem was ihm gerade widerfuhr?
„Ich habe Dich gesucht“, flüsterte Thobias zärtlich in Marias Ohr. „Vom ersten Moment, als ich Dich sah, wusste ich, dass ich Dich haben wollte. Du hast mich verzaubert…!“

Ältere Artikel »